Welche Ereignisse bzw. Gedanken haben aus deiner Sicht zur Gründung des Nachwuchsnetzwerks Deutschdidaktik im Anschluss an das Symposion in Lüneburg geführt?
Das Lüneburger Symposion hatte das Thema „Deutschunterricht empirisch“ und beschäftigte sich dezidiert mit der Frage, welche Konsequenzen ein empirischer Zugriff auf deutschdidaktische Fragestellungen forschungsmethodisch hat. Besonders die Podiumsdiskussion war programmatisch. Norbert Groeben wies darauf hin, dass die methodischen Anforderungen der empirischen Erforschung des Deutschunterrichts nicht nur über interdisziplinäre Kooperationen gelöst werden sollten, sondern dass die Deutschdidaktik selbst mit dem Methodenspektrum der empirischen Bildungsforschung umgehen können müsse. Die Überlegungen gingen damals auch in die Richtung eines forschungsmethodisch ausgerichteten überregionalen Aufbaustudiums für Nachwuchswissenschaftler*innen. Es war aber sichtbar, dass diese „große“ Lösung nicht umstandslos zu haben sein würde, während es umgekehrt rasch eine Gruppe an Nachwuchswissenschaftler*innen gab, die die Dinge quasi in die Hand nehmen wollten und an einer Vernetzung interessiert waren. Dabei ging es von Anfang an darum, forschungsmethodische Überlegungen nicht abstrakt, sondern im Zusammenhang deutschdidaktischer Fragestellungen zu konkretisieren und je nachdem auch zu adaptieren – auf dem Weg zu einer deutschdidaktischen Empirie.
Warum hast du dich aktiv im Nachwuchsnetzwerk engagiert?
Als Postdoc mit einer literaturwissenschaftlichen Promotion im Rücken und ersten eigenen empirischen Arbeiten vor Augen war mir damals sehr deutlich, dass im Bereich meiner empirischen Qualifikation noch Luft nach oben war. Neben die Notwendigkeit trat dabei auch die Neugierde auf Fragestellungen jenseits meines bisherigen Spektrums und auf andere forschungsmethodische Zugriffe. Die Zusammenarbeit mit anderen Nachwuchswissenschaftler*innen in der gemeinsamen Domäne reizte sehr, und es war sehr schnell deutlich, dass wir unsere Interessen in ein spannendes und vielfältiges Programm umsetzen konnten. Es passte damals auch menschlich sehr gut. Die Zusammenarbeit war nicht zuletzt (forschungs-)vergnüglich. Sehr motiviert hat uns, dass der Verband den Aktivitäten des Nachwuchsnetzwerks von Anfang an sehr aufgeschlossen gegenüber stand, was ja bis heute sichtbar ist.
Welche Bedeutung misst du der Nachwuchsarbeit in der Deutschdidaktik aus damaliger (als Nachwuchswissenschaftlerin) und heutiger Perspektive (als Professorin und Betreuerin von Doktorand*innen) bei?
Ich glaube, man kann die Bedeutung der Nachwuchsarbeit kaum überschätzen. Was ich von meiner jetzigen Position aus stärker sehe, sind die besonderen Herausforderungen, vor denen Promovierende aus den Lehramtsstudiengängen stehen. Sie haben in der Regel ein Spektrum an Fächern studiert und nicht die gleichen Möglichkeiten einer Vertiefung gehabt, die man in (inzwischen ja fast historischen) Monostudiengängen haben kann. Besonders dann, wenn sie nicht für das Lehramt an Gymnasien studiert haben, ist der Anteil des Fachstudiums, auf das sie zurückgreifen können, nicht sehr hoch. Insofern gehört zur Promotionsphase meines Erachtens ein weiteres Studienprogramm mit Vertiefungsräumen auch im theoretischen Bereich. Wie strukturiert das sein soll, das hängt von den konkreten Bedingungen ab. Promoviere ich auf einer Stelle, sieht das anders aus als auf einem Stipendium. Flexible Angebote wie die des Nachwuchsnetzwerks, die ja auch aus den jeweiligen Forschungsinteressen erwachsen, sind jedenfalls sehr wertvoll. Das gilt natürlich bis in die Postdoc-Phase hinein, die meines Erachtens mehr Interesse verdiene.